Ostrakismos – ein Setting-Element aus dem Großreich Sfaira

Heute mal was ganz anderes – ein Gastbeitrag zum Ostrakismos, einem sozialen Großereignis aus dem Großreich Sfaira.

Ostrakismos – Die Macht des Volkes

Neben der Pankrationmeisterschaft ist das Ostrakismos das wichtigstes jährliche öffentliche Spektakel Stemmas. Bei ihm handelt es sich um eine Abstimmung, durch welche die Bule eine Person aus der Stadt verbannen kann. Somit ist es das mächtigste politische Mittel der Bürger, die sich von ihm einen wirkungsvollen Schutz vor Korruption und Willkür versprechen. Dabei ist es aber auch stets eine ganz hervorragende Unterhaltung der Massen.

Ursprünglich gehörte das Ostrakismos zu den Zugeständnissen, die der Basilias dem Volk während der Hungerunruhen des späten Weißen Zeitalters machte. Zu dieser Zeit standen viele Beamte unter dem häufig berechtigten Verdacht, Nahrung für sich und die ihren zu unterschlagen. Um einem Aufstand vorzubeugen entschied der Basilias, dass die Bürger den ihrer Meinung nach schlimmsten von ihnen aus der Stadt jagen und seine Vorräte unter sich aufteilen durften. Da sich die Bule zunächst nicht auf einen Hauptschuldigen einigen konnte, wurde schließlich eine geheime Abstimmung abgehalten, deren Ergebnis das Schicksal eines Magistrats besiegelte.

Heute wird das Ostrakismos allerdings deutlich reglementierter durchgeführt als zu dieser wilden Zeit, zumal den Machthabern Stemmas nicht daran gelegen ist, dass der Status Quo zu stark ins Wanken gebracht wird. Darum steht der Bule ein vom Basilias eingesetztes Expertenkomitee, die sogenannten Sophoi, voran, die jedes Jahr die „umstrittensten“ Bewohner Stemmas ermitteln, welche dann zu Wahl stehen. Es ist dabei ein offenes, wenn auch wenig beachtetes Geheimnis, dass die wahrhaft Mächtigen der Stadt niemals auf der Liste landen. Stattdessen werden minder wichtige Personen des öffentlichen Lebens nominiert, die über kleine aber publikumswirksame Skandale gestolpert sind – Affären, Veruntreuung, unpopuläre politische Entscheidungen. Zusätzlich ist nun eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, so dass längst nicht jeder Ostrakismos auch mit einer Verbannung endet.

Mit der Veröffentlichung der neuen Liste der Sophoi fällt dann der Startschuss für eine neue Runde im großen Medienzirkus. Reporter stürzen sich auf die Nominierten und versuchen, von ihnen Stellungnahmen zu ihrer Aufstellung zu bekommen. Jede noch so kleine Reaktion von ihnen wird in den Medien immer wieder durchgekaut und diskutiert. Selbsternannte Experten geben ihre Einschätzung zum Ausgang der Wahl ab, während Bekannte der Aufgestellten, oder solche die behaupten welche zu sein, ihren Teil dazu beitragen. Eine mindestens ebenso große Rolle spielt aber auch das Volk an sich. Jedes Jahr aufs Neue finden sich in kürzester Zeit Gruppen zusammen, die entweder für oder wieder einen der Aufgestellten ins Feld ziehen. Ihr Enthusiasmus entspricht dem, mit dem auch die Sportler bei den großen Wettkämpfen angefeuert werden, ist aber häufig ins Gegenteil verkehrt. Beim Ostrakismos geht es dem Volk vor allem darum, seinem Unmut auf die Obrigkeit Luft zu machen. Horden sammeln sich um die Häuser der Nominierten, um sie mit Schmähchören und faulem Obst zu überziehen. In der Stadt werden selbstgemachte Plakate aufgehängt und die Wände mit Graffiti beschmiert, wobei die Botschaft selten schmeichelhaft ist. Gerade auch Personen ohne Stimmrecht engagieren sich stark auf diese Weise. Die Vorstellung, die Meinung der Bule auf diese Weise mitbeeinflussen zu können, ist ein seltener Lichtblick im Leben der unterprivilegierten Schichten. Ansonsten ist es großartige Unterhaltung für alle Bewohner von Stemma – die Nominierten natürlich ausgenommen.

Bedeutende Ostrakismos-Ereignisse

Der mächtige Handelsherr Hyperton wurde einst beim Ostrakismos gewählt, nachdem bekannt geworden war, dass er ausländische Piraten dafür bezahlt hatte die Schiffe seiner Konkurrenten aufzubringen. Er verweigerte sich allerdings der Verbannung und behauptete, dass die Wahl gegen ihn manipuliert worden war. Als er dann aber keine Beweise dafür vorbringen konnte, kam es schnell zu Unruhen und das Militär begann einzuschreiten. Es stellte sich allerdings heraus, dass Hyperton den Großteil seines Vermögens dazu verwendet hatte Söldner anzuheuern, die ihm sogar für einen Moment die Treue hielten. Nach einer Woche des gegenseitigen Belauerns griff das Militär schließlich durch. Es gab einen kurzen Kampf, bei dem der größte Teil eines Stadtviertels eingeäschert wurde. Hypertons Verbannung wurde anschließend noch vollstreckt. Man zerrte ihn vor die Stadtmauer, bevor man ihn dort hinrichtete und seine Leiche liegen ließ. Seitdem hat niemand mehr versucht, sich der Entscheidung des Ostrakismos zu widersetzen.

In der jüngsten Vergangenheit sorgte Ophelis Galatea für einigen Gesprächsstoff. Die Kurtisane hatte sich einen Namen durch mehrere Affären mit bedeutenden Personen gemacht. Ungewöhnlich war dabei, dass das Ende der Beziehungen stets von ihr ausging. Innerhalb kürzester Zeit hatte sie sich in der gesellschaftlichen Rangordnung nach oben gearbeitet, indem sie stets einen Liebhaber durch jemanden mit noch mehr Einfluss und Macht ersetzt hatte. Zurück blieb eine stetig wachsende Gruppe Verschmähter, welche das Volk mit öffentlich ausgetragenen Eifersuchtsszenen vortrefflich amüsierten. Ophelis wurde mehrfach vorgeworfen ihre Bettgefährten mit Magie beeinflusst zu haben, doch dies konnte niemals bewiesen werden. Ihre Nominierung zum Ostrakismos gehörte zu den am wenigsten überraschenden Entscheidungen der Sophoi aller Zeiten.

Vollends legendär wurde Ophelis allerdings durch die amüsierte Gelassenheit, mit der sie ihrer Aufstellung zur Wahl begegnete. In Interviews überraschte sie durch geistreiche und witzige Spitzen, mit denen sie schnell zum Publikumsliebling avancierte. Plötzlich schlugen sich die Medien förmlich darum, sie in einem positiven Licht präsentieren zu können. Ihre Begleitung des Ostrakismos wurde zu dem eigentlichen Höhepunkt, neben dem alles andere verblasste. Der zeitgenössische Dichter Corox notierte dazu: „Wenn Galatea denn einst ritt/auf den Geliebten wie auf der Masse/so ist’s mir offensichtlich/dass Zauberkunst sie nie benötigt“.

Erwartungsgemäß wurde Ophelis nicht zur Verbannung gewählt, verließ zur großen Überraschung aller aber Stemma danach aus freien Stücken. Die sonst so wortgewandte lehnte es ab diese Entscheidung zu kommentieren, doch war es wohl nur konsequent von ihr. Sie hatte es geschafft ganz Stemma in sich verliebt zu machen und ließ wieder einmal nur gebrochene Herzen zurück.

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