Arkadiya – Ein Rollenspiel mit Blick in die Zukunft (Beitrag zum Karneval der Rollenspielblogs)

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Nandurion richtet diesen Monat den Karneval der Rollenspielblogs aus, mit einem Thema, zu dem ich mich geradezu beteiligen muss. Das Thema ist “Magie und Wissenschaft” und deren Spannungsfeld – das tatsächlich meine Motivation war, das Projekt Arkadiya überhaupt erst zu beginnen.

Tatsächlich ist die Fragestellung vielleicht nicht ganz passend formuliert. Magie und Wissenschaft stellen kein wirkliches Gegensatzpaar dar. Magie ist ein Mittel, Wissenschaft eine Methode. Magie kann ebenso wissenschaftlich wie intuitiv betrieben werden, und tatsächlich ist dies in vielen Spielwelten innerhalb der magischen Gemeinschaft ein beliebter Kontrast. Auch das Clarkesche Gesetz, das im Ausgangsbeitrag zitiert wird, spricht von Technologie, nicht von Wissenschaft. Eine geeignetere Gegenüberstellung erscheint mir vielmehr der Vergleich der beiden Facetten Magie und Technologie.

Betrachtet man die Rollenspiellandschaft der letzten Jahrzehnte, so wird einem schnell bewusst, das Technologie und somit die wissenschaftliche Weltsicht häufig negativ präsentiert wird – besonders dann, wenn sie einer magischen entgegengestellt wird. In den cWoD-Spielen Werewolf – The Apocalypse, Mage – The Ascension und Changeling – The Lost stellen Wissenschaft und Technologie die Gegenseite dar, die es zu bezwingen gilt. Hierbei nimmt die Verteuflung der modernen Welt gerade bei Werewolf schon cartoonhafte Züge an – mehr als einmal fühlte ich mich an Captain Planet erinnert. Changeling geht sogar noch weiter und setzt Wissenschaft mit Phantasielosigkeit und dem Tod der Kindheit gleich. Starker Tobak, aber nicht das einzige Mal, dass sich solche Tendenzen erkennen lassen. In Shadowrun frisst Technologie buchstäblich die Seele auf. Immer wenn Magie und Technologie Antagonisten bilden, übernimmt Magie eigentlich immer die “natürliche” Rolle, während Technologie der Eindringling ist, der die natürliche Ordnung stört

Als ich vor einigen Jahren Jim Butchers Codex Alera las, wurde mir ein alternatives Weltbild präsentiert. In dieser Roman-Reihe präsentiert Butcher eine Welt, in der jeder Bewohner Elementarwesen als Vertraute besitzt, die es ihnen erlauben, magische Kräfte einzusetzen. In diesem Setting ist die Magie so omnipräsent, dass Technologie überhaupt keine Chance hatte, sich zu entwickeln – es geht so weit, dass die Menschen es für Aberglaube halten, dass es möglich sein soll, ohne Unterstützung dieser Furien ein Haus zu bauen.

Diese Sichtweise war es, die mich zu Arkadiya inspirierte. Ich wollte allerdings einen Schritt weiter gehen – anstatt Magie die Technologie völlig ersetzen zu lassen, wollte ich eine Spielwelt schreiben, die auf einer Fusion beider Elemente basierte. Und das ohne den romantischen “Blick zurück”, der beispielsweise die meisten Steampunk-Settings prägt. Das Setting-Fragment meines Freundes Kilian Sussmann, aufgrund dessen ich die Arbeit an Arkadiya begann, trug noch einen klassischeren Aspekt von “guter” Magie und “böser” Technologie in sich, den wir schnell gemeinsam aus dem Setting herausarbeiteten.

Arkadiya ist eine moderne Welt, mit allem, was das mit sich bringt. Computer, virtuelle Vernetzung, Schusswaffen, Massenmedien, Massenproduktion von Gütern, Flugmaschinen sind nur einige der Dinge, die Arkadiya prägen – und doch basiert alles auf magischer Energie. Um genau zu sein auf einer magischen Energiequelle, die die weltinterne Entsprechung von radioaktivem Material darstellt. Ich wollte also, kurz gesagt, eine Welt, die eine unmittelbare Verkörperung des dritten Clarkeschen Gesetzes darstellt.

Dies hat einige Auswirkungen auf die Sichtweise, die in Arkadiya verkörpert wird. Die Spannung zwischen Magie und Technologie wird dadurch aufgelöst, dass sie schlichtweg nicht mehr existiert. Magische Technologie, die so genannte Arkanomechanik, ist im Alltag aller Bewohner der Welt angekommen und ist kaum mehr wegzudenken. Auch wenn die negativen Aspekte dieser Technologie bekannt sind, war es mir wichtig, keine fortschrittsfeindliche Welt zu präsentieren. Arkanomechanik ist trotz ihrer Schattenseiten großartig. Sie hat das Leben der Menschen auf unzählige Weisen verbessert. Selbst die Zvaka (meine “Zwerge” des Settings), die die extrem schlimmen Folgen der Strahlenvergiftung am eigenen Leibe erleben, suchen zwar nach alternativen Energiequellen, wollen aber die Arkanomechanik auf keinen Fall abschaffen. Selbst die Daeva, die die naturverbundenen “Elfen” des Settings repräsentieren, sind Überbleibsel einer hochtechnologischen Zivilisation. Bei aller vorhandener Magie wird also keine magische, sondern eine wissenschaftliche Weltsicht präsentiert.

Das alles bedeutete für mich, dass ich auch die Religion von Arkadiya massiv beeinflussen wollte. Es handelt sich, trotz der großen magischen Komponente, um eine Welt, deren Bewohner sie wissenschaftlich betrachten. Es sind nicht die Götter, die die Menschen führen, es sind die Menschen, die Entscheidungen fällen. Es ist keine Welt der großen Prophezeiungen sondern eine Welt, in der jeder wirklich über sein Schicksal verfügen kann. Letztlich hat mich dies dazu gebracht, die Welt auf eine Weise zu präsentieren, in der der Glaube der Menschen keine große Rolle spielt. Es gibt zwar Staatsreligionen, doch sind diese im Vergleich zum Fortschrittsdenken der Menschen nur von untergeordneter Bedeutung. Nur ihr Wille, ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen, ist wichtig.

Gerade Fantasy als Setting neigt dazu, sich in die Vergangenheit zu orientieren und Fortschritt nur zögerlich zu akzeptieren. Nicht umsonst scheut sich DSA schon so lange, Feuerwaffen den Platz zuzugestehen, der dem technologischen Entwicklungsstand der Welt entsprechen würde. Dies liegt ohne Frage an einem romantischen Bild der Vergangenheit, das in der Fantasy manifestiert wird. Fantasy bedeutet fast immer einen Entwicklungsstand, der dem Mittelalter oder höchstens der frühren Neuzeit entspricht. Das nimmt zum Teil schon fast luddistische Züge an. So teile mir erst vor kurzem eine Gesprächspartnerin in einem Rollenspielforum mit, dass der Reiz am Steampunk eine Abkehr von der modernen Technik darstellt, die als „seelenlos“ empfunden wird. Das ist nicht der Punkt, an dem ich Arkadiya positionieren möchte. Ganz im Gegenteil.

Ich beschreite sicherlich keine neuen Wege mit Arkadiya – White Wolf hat mit Exalted die magische Technologie auf ein ganz neues Level gehoben, und Sir Terry Pratchett hat seine Discworld zu einer sehr fortschrittsfreundlichen Welt gemacht, in der seit Neuestem auch die Eisenbahn einen Platz gefunden hat. Doch denke ich doch, dass ich mit Arkadiya meine eigene kleine Nische irgendwo zwischen Final Fantasy VII und Clash of the Titans gefunden habe.

Link zur Ankündigung:

http://nandurion.de/blog/2014/03/01/karneval-der-rollenspielblogs-thema-magie-und-wissenschaft/

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Eine Antwort zu “Arkadiya – Ein Rollenspiel mit Blick in die Zukunft (Beitrag zum Karneval der Rollenspielblogs)

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